Das Weserstadion, gestern, heute, morgen und vielleicht übermorgen. (Teil2)

Moin!

Übrigens.

Das Spiel Werder gegen Kaiserslautern endete tatsächlich 5:3 Also so ein richtig typisches Werder Hurra Ergebnis, wenn ein Scheunentor auf das andere trifft. Das sollten wir in den kommenden Jahren noch mehrmals erleben, wobei eine ganze Zeit die erzielten Tore, die kassierten Treffer kompensierten, aber auch dieses sollte sich noch grundlegend ändern.

Wenn mich jemand fragte welches mein wirklich aller, aller, allererstes Bundesligaspiel war, dann habe ich bisher immer – gegen den FCK mit 3:1 – geantwortet. Das stimmt auch zum Teil, jedoch war es das Halbzeit Ergebnis, habe ich das auch geklärt.

Bevor ich wirklich und letztendlich das Jahrtausend von 19 auf 20 stelle, wollte ich noch eine kleine Anekdote erzählen, die sich mehrmals vor Beginn der 80er zugetragen hat.

Wenn bei Partien das Wetter allzu miserabel war, was man als Bremer ansonsten gar nicht kennt, dann sind die Fans aus den unüberdachten Bereichen auf die Norddtribüne geflohen. Zumeist waren die Ecken der Tribüne ja noch frei, so das man dort noch Platz fand. Die Tatsache das es anfangs kaum Auslastung gab im Weserstadion, habe ich ja schon erwähnt. Ansonsten eine nette Geschichte, zudem sah es für mich auch witzig aus, wenn sich eine Tribüne während des Spiels leerte und die andere füllte. Ganz friedlich, und heutzutage ganz undenkbar. Schon komisch was so haften bleibt, wenn man gerade mal zehn Jahre alt ist.

Bevor ich dann auf die 2000er Jahre komme, muss ich noch fix ein paar Ausbaustufen ansprechen. Zehn Jahre nach meinem ersten Besuch bekam das Weserstadion erstmal eine neue Westkurve, wo dann unter anderem auch die Werder Geschäftsstelle untergebracht werden sollte. Die Westkurve ist anfangs auch mit Stehplätzen versehen worden, allerdings deutlich durch Zäune getrennt, zu den schon beschriebenen Stehplätzen des Unterranges Nord.

In der maroden Südtribüne wuchsen derweil so langsam die Stalagmiten den Stalaktiten entgegen, und es wurde auch langsam pilzig. Als die neue Westkurve fertig war, wies das Weserstadion eine Überdachung in J-Form auf, hatte für mich noch etwas Torsoartiges in sich. Das wurde ansehnlicher als dann 1991/1992 endlich die Südtribüne im „Kölner Stil“ dem Aussehen der West und der Nord angepasst wurde. In der Tat war das Stadion auf dem Weg, sich zum Müngersdorf zwei zu entwickeln. Hatte jetzt aber auch etwas vom alten Düsseldorfer Rheinstadion, nur ohne Bäume. In U-Form überdacht und zu einer Seite offen mit einer elektronischen Anzeigetafel, die im Winter manches mal den Geist aufgab. Die Anzeigetafel in der Ostkurve löste die Stecktafeln über dem Marathontor ab. Hatte aber auch was in sich, schön nostalgisch. Werder gegen Neapel 5:1, sah schließlich gut aus. Diego Diego Ha! Ha! Ha! Schallte es von den Rängen, ich stand übrigens genau zwischen den Stecktafeln bei diesem Spiel.

https://www.werder.de/der-svw/historie/chronik/1988-1995/ssc-neapel/

In der Zeit so um 1995 bis 1997 wurden die Stehplätze in der West und Nord auf Sitzplätze umgebaut. Zeitgleich wurde die neue Ostkurve gebaut und in den beiden Hintertor Tribünen wurden zwei Videowalls mit einer Größe von 50 m² installiert.

Zudem wanderte die Geschäftstelle in die Ostkurve, wo auch das Jugendinternat, der Fanshop und die Fanbetreuung mit ihren Räumlichkeiten unterkommen sollten. Und das Dach war jetzt ein Oval. Im übrigen hat man auch in den vorderen Reihen etwas abbekommen, falls es wieder einmal von rechts nach links oder umgekehrt regnen sollte. Das berichtet man aber auch aus anderen Stadien, es sei denn man hat eine Turnhalle.

Die Ostkurve wurde zudem mit einem fünfgeschossigen Mantelbau versehen, um den veränderten Anforderungen gerecht zu werden. Das Logen auch vermehrt dazu kamen um dem Trend gerecht zu werden , muss man eigentlich nicht erwähnen, jedoch war eine Großraumloge für 700 Personen mit angeschlossener Speisekammer wohl etwas neues. Insbesondere Werder hat sehr früh angefangen sich die Gelder der Premiumgäste zu sichern.

Die ganzen Sitzplatzmaßnahmen in einem Teil des Stadions hatten natürlich ihren Preis, sowohl bei der Ticketgestaltung als auch bei der jetzt vorhandenen Kapazität, die sank nämlich auf 35.500 Plätze. Das war eindeutig zu wenig, auch mit Hinblick auf die DFB Bewerbung zur WM 2006, die sollte im Verlaufe der weiteren Geschichte kein Sommermärchen für Bremen werden.

Man beschloss den Innenraum auszubaggern um so den Platz Zwometerzehn tiefer zu legen, mit dieser Vorgehensweise konnte man dann vor den Tribünen, mobile Tribünen verbauen, und bekam so ca. 8000 Plätze dazu. Zudem war man dadurch natürlich dichter am geschehen, vor allem in den Geraden, also Nord und Süd. Der Nachteil war der, dass man nun vorne wirklich im „freien“ hockte. Das Dach ist nämlich nicht mitgewachsen, wieder nur halber Kram, und von der Leichtathletikarena konnte man sich nun ganz verabschieden. Immerhin hatte man jetzt eine noch schönere Atmosphäre, dies schlug sich vielleicht auch in dem Doublegewinn 2004 nieder. Aber natürlich gehört dann doch ein wenig mehr dazu.

Wenig zu feiern gab es dann nach Bekanntgabe der WM Spielorte, da war Bremen nämlich nicht dabei. Elektronische Personenvereinzelungsanlagen, zu Deutsch-Drehkreuze, wären das kleinere Problem gewesen, man schob es auch, auf die fehlende Infrastruktur rund um das Weserstadion. Zugegebenermaßen ist die Lage unten an der Weser und am Rande des Viertels nicht perfekt, aber ich möchte es gar nicht anders haben. Wo hat man soviel Stadt am Stadion? Wo hat man soviel Kneipenkultur umzu? Wo kann man schon mit dem Schiff anreisen? Hat das Weserstadion doch einen eigenen Bootsanleger, sollte man mal gemacht haben. Auch macht das die besondere Stimmung aus, wenn man durch den Tunnel vom Peterswerder kommend, die West mit dem ersten Flutlichtmast sieht, und das über einen Zeitraum von vierzig Jahren, dann macht das was mit einem. Aber das ist mein eigener, sehr wichtiger Beweggrund. Aber so oder so, es ist egal von welcher Seite man kommt, irgendwie schlägt einem das Herz bis zum Hals. Plötzlich steht es da.

Im weiteren Verlauf meiner kleinen Weserstadion Geschichte möchte ich auf die 2004 errichteten vier Bürotürme eingehen, die an die Nordtribüne „angeflanscht“ wurden, und die bewegte Bauzeit ab 2008.

Euer Markus

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